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Historische Vielfalt - Kartierung von Apfelbäumen in Heynitz

Apfelsortenausstellung zum Streuobsttag in Heynitz - Foto: Eike von Watzdorf
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Apfelsortenausstellung zum Streuobsttag in Heynitz - Foto: Eike von Watzdorf

Anfang Oktober fand im Schloss Heynitz der erste Streuobsttag statt, an dem der Apfel als häufigstes Streuobst besonders zur Geltung kam. Im Rahmen meines Praktikums in der Naturschutzstation Schloss Heynitz kartierte ich dafür gemeinsam mit Eike von Watzdorf Apfelbäume in Heynitz. Uns war vor allem die Erfassung des Standortes von alten Apfelsorten wichtig, die dann während des Streuobsttages von dem Pomologen Dr. Henner Grapow bestimmt wurden. Durch die Kartierung erhoffen wir uns nicht nur eine größere Beachtung alter Apfelsorten und Obstsorten im Allgemeinen, sondern möchten auf Grundlage unserer Ergebnisse auch einen Katalog der in Heynitz bereits länger kultivierten und gut wachsenden Sorten erstellen, der dann bei geplanten Neupflanzungen zu Rate gezogen werden kann. So können die meiner Meinung nach sehr viel leckeren alten Obstsorten besser erhalten werden.

Auf 7 Streuobstwiesen, deren Pflege sich noch an der historischen Bewirtschaftung orientiert, und einigen Privatgrundstücken konnten wir mehr als 70 Apfelbäume kartieren, die zu 22 Apfelsorten gehören. Mit 31 von uns entdeckten Bäumen ist der große rheinische Bohnapfel deutlich die am häufigsten anzutreffende Sorte in Heynitz. Ebenfalls häufiger vorkommende Sorten sind Kaiser Wilhelm, Jakob Lebel und Boskoop, zu denen wir jedoch jeweils nur 5 bis 6 Bäume zuordnen konnten.

Ab 1594 wurden in Sachsen in unregelmäßigen Abständen Obstsortenverzeichnisse veröffentlicht, die Sorten enthielten, welche mit den gegebenen Standortbedingungen gut auskommen und bei denen somit gute Ernten zu erwarten waren. Um die historische Bedeutung der heute vorkommenden Sorten zu erfassen, haben wir sie mit den Sortenverzeichnissen von 1885 und 1924 verglichen und außerdem Apfelsorten, die der Heynitzer Landschaftsgärtner Hofmann Anfang des 20. Jahrhunderts anbaute, beachtet. Dabei stellten wir fest, dass 13 der 22 kartierten Sorten bereits in der Geschichte großflächig wirtschaftlich angepflanzt wurden, da sie in mindestens einem der drei Vergleichsmaterialien auftauchten.

Vielleicht steht sogar bei Ihnen im Garten eine der typischen Heynitzer Apfelsorten? Den Bohnapfel erkennen Sie an seiner eher länglichen Form, der grün-gelben Farbe und charakteristischen Schalenpunkten. Er wird zwar schon im Oktober geerntet, entfaltet aber erst im Februar seinen saftigen süß-säuerlichen Geschmack. Da er bis zum Juni haltbar ist und bereits im 18. Jahrhundert am Mittelrhein entdeckt wurde, gilt er als wichtiger historischer Wirtschafts- und Tafelapfel. Der Apfel des Kaiser Wilhelm ist eher trichterförmig, je nach Reifestadium gelb bis rot gefärbt und mit karminroten Streifen und Berostung im oberen und unteren Teil geziert. Auch der Kaiser Wilhelm wird im Oktober geerntet, ist aber schon im Dezember nachgereift, sodass man sein wein-säuerliches Aroma genießen kann. Der beliebte Tafel- und Backapfel ist bis April haltbar und soll auch für Allergiker gut verträglich sein.

Schon anhand dieser zwei Apfelsorten wird deutlich, dass der Apfel ein echter Allrounder ist und mit etwas Geschick so angebaut und geerntet werden kann, dass das ganze Jahr über vom eigenen Apfelvorrat gezehrt werden kann!

Ihr Interesse für alte Obstsorten ist geweckt? Schauen Sie doch auch gern im Internet oder vor Ort beim NABU- Obstsortenparadies in Chemnitz vorbei!

 

Lilly Urban – Praktikantin in der Naturschutzstation Schloss Heynitz der NABU-RG Meißen


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