Kartierung und Schutz von Greifvögeln
Unter den heimischen Greifvögeln befinden sich mehrere sog. windenergiesensible Arten. Das bedeutet, sie sind aufgrund ihrer Lebensweise und eines fehlenden Meideverhaltens besonders oft von Kollisionen mit Windenergieanlagen betroffen. Gegenwärtig können wir nicht genau abschätzen, wie sich entsprechende Verluste auf den örtlichen Brutbestand auswirken. Bundes- wie landesweit bestehen sehr ambitionierte Ausbauziele hinsichtlich der Windenergienutzung, weshalb mit dem Bau und der Inbetriebnahme zahlreicher neuer Windparks und einer stark wachsenden Zahl von Anlagen gerechnet wird. Das Verlustgeschehen unter bestimmten Greifvögeln dürfte damit voraussichtlich weiter zunehmen. Durch systematische und wiederkehrende Brutbestandserfassungen schaffen wir eine Datengrundlage, um Langzeitentwicklungen und mögliche Auswirkungen zunehmender Windenergienutzung in der Region Meißen zu dokumentieren. Im Fokus stehen dabei die Arten Rotmilan, Schwarzmilan und Mäusebussard, deren Brutplätze wir auf mehreren Teilflächen und in einem Gesamtausschnitt von reichlich 110 km² Gefildelandschaft kartieren. Die Ergebnisse gestatten es, Verbreitung und Häufigkeit der drei Arten darzustellen und Trends zu erkennen. Neben den Mitarbeitern der Naturschutzstation Schloss Heynitz wirken ehrenamtliche Ornithologen am Projekt mit. Die Untersuchungen führen wir teilweise als Auftragsarbeiten aus.
Im Jahr 2018 haben wir begonnen, eine Auswahl bekannter Nestbäume von Greifvögeln mit Manschetten zu versehen. Damit ist beabsichtigt, die zum Brüten genutzten Bäume und letztlich die Nester der Greifvögel vor dem Zugriff kletternder Prädatoren zu schützen. Vor allem Waschbär, Baum- und Steinmarder sind imstande, Gelege oder Jungvögel in den Nestern zu erreichen und damit Brutverluste zu verursachen. Hinter der praktischen Maßnahme der Prädatorenabwehr steht der Gedanke, ein gewisses Gegengewicht zu den anhaltenden und regelmäßigen Greifvogelverlusten, hervorgerufen z. B. durch Kollisionen an Straßen und an Windenergieanlagen, zu schaffen. An regelmäßig benutzten Nestbäumen, das betrifft etwa die Hälfte der kartierten Standorte, kommen unsere Manschetten wiederkehrend zum Einsatz. Ein anderer Teil der Abweiser muss in jedem Jahr neu an erstmalig besetzte Brutbäume montiert werden. Bei den Manschetten handelt es sich um Glasfolien, welche um die Bäume gelegt und mit robustem Klebeband verschlossen werden. Die Bäume selbst werden dabei nicht verletzt. Das Unternehmen *SachsenEnergie AG* ist bei der Umsetzung einer unserer Partner.
Hendrik Trapp (NABU Meißen)

